Der Holzhauser „Weiberfasching“ ist längst eine Institution in Sachen grandioser Einlagen und deshalb nicht nur bei den Dorfbewohnern, sondern auch bei der Geistlichkeit und den Mitgliedern des Altöttinger Stadtrats beliebt – nicht nur im Wahljahr, wie die KDFB-Vorsitzende Marianne Speckbacher bei ihrer Begrüßung betonte.
Für beste Stimmung sorgte zum zweiten Mal die 2‑Mann-Band „Radio Downtown“ – und das mit mehr zeitlichem Anteil als sonst, denn es gab – dem kurzen Fasching geschuldet – ein paar weniger Einlagen als sonst: Den Beginn machte der „Mädels-Stammtisch“ mit einer lustigen Nacherzählung des Märchens vom Aschenputtel (Lisa Unterhuber) und dem “Prinz, vo dem olle draman”, weil er “soo schee is” alias Regina Eibelsgruber. Dann schwangen die Gäste wieder eifrig das Tanzbein, bis die beiden Ratschkathln (Marianne Speckbacher und Nicole Eppner) die spannendsten Neuigkeiten des Dorfes zum Besten gaben.
Die Bedeutung guter Sturzprophylaxe angesichts diverser Stürze von älteren, aber auch jüngeren Dorfbewohnern machte den Anfang. Von Bürgermeister Stephan Antwerpen erhofften sich die beiden zwei neue Bäume: einen Zwetschgenbaum für die Speckbachers, den der Biber auf dem Gewissen habe, und einen neuen Baum für die Jugendfeuerwehr, den der übereifrige Bauhof “niedergemäht” habe. Auch die First Lady von Altötting kam nicht ganz ungeschoren davon, da sie offenbar Nachhilfe beim richtigen Binden der Dirndlschürze brauche, um nicht heiratswillige Männer anzuziehen.
Für Begeisterung sorgten die vielen tollen Verkleidungen bei den beiden Ratschweibern: Ein besonders Mutiger habe sich sogar ganz genau wie Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl verkleidet! Selbiger, der natürlich in Wahrheit wie gewohnt ohne Verkleidung anwesend war, wurde außerdem für seine rasante Fahrweise aufs Korn genommen — und er sei hinsichtlich seiner eher ungewollten runden Geburtstagsfeier Opfer der eifrigen Hell Luise geworden, die alles organisiert und ihm keine Wahl gelassen habe. Zumindest sei so alles mit einer Feier erledigt gewesen, während der Maier Rudi mit der Feierei seines runden Geburtstags immer noch nicht fertig sei.
Weitere Themen waren die vielen anstehenden Wahlen — von der Feuerwehr über den Pfarrgemeinderat bis hin zum Frauenbund, der eine neue Kandidatin für den Vorsitz suche. Schließlich gebe es auch noch einen neuen Verein im Dorf namens “Mittwochsradler”, für den es nur drei Kriterien brauche: E‑Bike, Smartphone, männlich.
Den Höhepunkt des Abends stellte ein ganz besonderes Filmprojekt dar, der die fehlenden Auftritte der Tanzgruppe und Männer mehr als wett machte: Unter der Überschrift “Unser Hoizhausen — Do bin I dahoam” hatte die Dorfgemeinschaft — federführend organisiert und umgesetzt von Alexander Walschwinkler und einem Team von “Ü30”-Männern und Frauen — Szenen aus den Eberhofer-Filmen täuschend echt nachgestellt. Die Gaststube des Gasthauses Hinterberger eignete sich perfekt für die Szene, bei der sich der Eberhofer mit seinen Freunden betrinkt und feiert. Wollte man zunächst mit Eistee arbeiten, so musste am Ende doch das Originalgetränk — “Jacky” — her, “damit es auch wirklich authentisch ist”. Dass die Szene nicht beim ersten Mal im Kasten war, führte unweigerlich zu nicht ganz jugendfreien Szenen, die zur großen Erheiterung der Faschingsgesellschaft am Ende als “Outtakes” gezeigt wurden. Die Autofahrt mit der Sausteige im Schlepptau durfte ebenso wenig fehlen wie das Sauerkrautkoma, die Szene mit dem frisierten Mofa und das Fällen des eigens dafür aufgestellten Maibaumes am Dorfplatz. Kurz gesagt: Sollten für den nächsten Eberhofer-Krimi noch Drehorte oder Schauspieler gesucht werden — in Holzhausen würde man auf jeden Fall fündig. Nur den berühmten Kreisverkehr müsste man noch bauen.
Text: Maria Stemmer



